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Verständigung ganz ohne Sprache

Gruppe war zwei Wochen in Ruanda / Hilfe aus Ostbevern kommt an / Projekt gegen Bodenerosion

Von Thomas Fromme (Westfälische Nachrichten vom 10.08.2006)

Ostbevern. Kaum in Worte zu fassen sind die Eindrücke, die fünf Ostbeverner bei ihrem ersten Besuch in Ruanda ge­sammelt haben. Da gab es krasse Gegensätze zwischen den Armen und den wenigen Reichen vor allem in der Hauptstadt Kigali, wunderba­re Landschaften, aber vor allem herzliche Menschen, die den Fremden offen und neugierig gegenüber stehen.

ruanda2006_1„Ich würde am liebsten mor­gen wieder hin. Die Menschen sind freundlich und herzlich. Es ist ein unheimlich schönes Land", sagt Ludger Preckel. Mit ihm reisten erstmals Ste­fanie Spahn-Dörenkämper, Laura Mühlenstrodt, Max Nie­hoff und Marc Möllers in die ' Partnerdiözese von St. Am-brosius im Westen des Landes. Dazu gehört auch der frühere Distrikt Gisunzu, mit dem der Verein Ostbevern-Gisunzu ei­ne Partnerschaft unterhält. Dem gehören 52 Mitglieder aus verschiedenen Bereichen an. Die Vereinsvorsitzende Margret Dieckmann-Nard-mann, für die Ruanda längst kein Neuland mehr ist, kom­plettierte die Reisegruppe. Das bunt gemischte Sextett aus Schülern, Studenten und Berufstätigen opferte einen Teil des Urlaubs oder der Fe­rien für die zweiwöchige Rei­se. Die etwa 1000 Büro teuren Flugtickets bezahlten sie selbst - wie bei solchen Reisen üblich.

Natürlich gab es ein offi­zielles Programm mit Besuchen von Hilfsprojekten. So­gar Bischof Alexis Habimana empfing die Gruppe nach ei­ner beeindruckenden mehr­stündigen Priesterweihe in Nyundo. Doch es waren vor allem die vielen kleinen Be­gegnungen, die sich ins Ge­dächtnis der Ostbeverner ein­gebrannt haben. Wer franzö­sisch sprach, war dabei im Vorteil - doch auch mit Eng­lisch war eine Verständigung möglich.

„Manchmal ging es auch ohne Sprache", berichtet Max Niehoff. Der 17-Jährige Pfad­finder (Korr: Messdienerleiter) nutzte das daheim er­probte Spiele-Repertoire. Und siehe da: Nicht nur Schnick-Schnack-Schnuck, sondern auch Bewegungsspiele mach­ten den Kindern Spaß.

„Als wir Stofftiere ver­schenken wollten, hatten die Kinder zunächst Angst da­vor", erinnert sich Stefanie Spahn-Dörenkämper. Diese Art von Spielzeug war ihnen völlig unbekannt. Aufgefallen sei ihr in Ruanda, dass sich die Menschen für alles und vor allem füreinander mehr Zeit nehmen - das fange bei den vielen freundlichen Ges­ten und bei der Begrüßung an. Dazu gehört ein je nach Art der Beziehung fein abge­stimmtes System von Hand­schlägen und -berührungen, berichtet Stefanie Spahn-Dö­renkämper.

ruanda2006_2Bei Temperaturen von meis tens um 25 Grad gibt es in dem hoch gelegenen Land kaum einen Unterschied zwi­schen Sommer und Winter, aber zwei Regenzeiten. Reis und Nudeln gehörten neben gekochten Bananen und fri­scher Ananas zu den Haupt­nahrungsmitteln, die es für die deutschen Gäste zu essen gab. Sie wohnten die meiste Zeit in einem Caritas-Heim in Kibuye am großen Kivu-See, der Ruanda vom westlichen Nachbarland Kongo trennt.

Ein Besuch im Akugera-Nationalpark an der Grenze zu Tansania vermittelte den Ostbevernern einen Eindruck von der landschaftlichen Viel­falt Ruandas. „Die Vegetation ist völlig anders als bei uns", interessierte sich vor allem Gärtner Ludger Preckel für diesen Punkt. Mit Hilfe aus der EU gehe vieles im Lande besser als noch vor einigen Jahren, berichtete Margret Dieckmann-Nardmann. So gibt es mittlerweile viel mehr Kühe - aus dem Ausland an­geschobene Zuchtprojekte waren erfolgreich. Einen wei­teren Beitrag leistete eine der Privatspenden, die die Gäste überbrachten. So freute sich eine Frau über 100 Euro für eine Kuh. Für das unter an­derem mit Maschinen aus Ost­bevern unterstützte Nähpro­jekt für Witwen konnten 800 Euro überbracht werden, die durch die Bewirtung der Os­nabrücker Walfahrer kurz zu­vor gesammelt worden waren.

Die Flucht in die stark wachsende Hauptstadt Kigali zu verhindern, gehört zu den Bestrebungen eines neuen ehrgeizigen Regierungspro­gramms unter dem Titel „Frie­den und Dezentralisierung". In der Metropole - zwei von gut acht Millionen Einwoh­nern leben dort - konnte Mar­gret Dieckmann-Nardmann auch das Büro der Witwen­organisation Avega besuchen..

ruandabesuch2006 „In Gisunzu, das jetzt nach einer Verwaltungsreform aus zwei Distrikten besteht, sind die Bewohner stolz darauf, mit Ostbevern einen deut­schen Partner zu haben. Alle anderen Distrikte in Ruanda seien durch das Land Rhein­land-Pfalz mit Partnerschaf­ten versorgt worden. Und auch zwölf Jahre nach dem schrecklichen Völkermord sind die Folgen weiterhin spürbar, der Bedarf an Hilfe durch europäische Partner ist immer noch groß. So sollen zwei Projekte durch Spenden aus Ostbevern verwirklicht werden: Zum ei­nen ein weiterer Schulbau im Ort Muhato durch die Pfarr­gemeinde. Und der Partner­schaftverein will ein Projekt unterstützen, das die Bodenerosion stoppen soll. Hänge sollen terrassiert werden, 11 000 Euro werden dafür benötigt.

Besuche bei Ann-Christin Holkenbrink, die in einer Schule unterrichtet, und Ju­dith Brünen, die mit behin­derten Kindern arbeitet, ge­hörten zum Programm. Die Ostbevernerinnen gingen nach dem Abitur wie berichtet für ein freiwilliges soziales Jahr nach Ruanda. Sie werden im September zurückkehren.

Für Margret Dieckmann-Nardmann dauerte der Auf­enthalt eine Woche länger, weil sie unter anderem an ei­nem Gespräch im Erziehungs­ministerium mit Verantwort­lichen von 20 Hilfsprojekten teilnahm. „Die Menschen scheuen sich nicht zu sagen, dass sie weiter auf unsere Hil­fe angewiesen sind", so Dieck­mann-Nardmann .

Im Rahmen der Ausstel­lungen im Allwetterzoo Münster, die das Eine-Welt-Netz organisiert, werden Ru­anda-Reisende aus Ostbevern vom 21. bis 27. August Ein­drücke vermitteln, über Pro­jekte informieren und fair ge­handelte Waren verkaufen.

Spenden können mit dem Kennwort „Schulbau Bistum Nyundo" auf das Konto 7800 902107 der Pfarrge­meinde St. Ambrosius bei der Vereinigten Volksbank einge­zahlt werden.

Text und Fotos: Westfälische Nachrichten vom 10.08.2006


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